WTM 2026: Turespaña-Chef kündigt Werbevorteile für barrierefreie Hotels an (TTG)
Written by RedaktionSolFM on 04/11/2026
WTM 2026: Turespaña-Chef kündigt Werbevorteile für barrierefreie Hotels an (TTG)
Spanien will Hotels und Freizeitangebote dazu bringen, Barrierefreiheit ernster zu nehmen – und setzt dafür auf seine Werbekraft. Betriebe, die vorbildlich arbeiten, sollen mehr Platz in den Kampagnen von Turespaña bekommen. Das kündigte Generaldirektor Miguel Sanz am Rande des World Travel Market in London im Gespräch mit dem britischen Fachmagazin TTG an.
Barrierefreiheit so wichtig wie Sicherheit
Früher hätten vor allem Sicherheit, gutes Wetter, der Preis und vielleicht noch das Essen über ein Reiseziel entschieden, sagte Sanz. Inzwischen gehöre Barrierefreiheit dazu und sei für Reisende ebenso wichtig wie die Sicherheit.
Das Spanische Fremdenverkehrsamt hat dazu einen Leitfaden für Hotels und andere Unterkünfte veröffentlicht: „Supporting Choice: Good Practice Guidelines for Accessibility Information for Hotels“. Er soll Betrieben helfen, Gästen mit Behinderung klare und verlässliche Angaben zu ihren Einrichtungen zu machen – mit genauen Maßen, aktuellen Fotos und eindeutigen Beschreibungen. Wer die Marketingreichweite von Turespaña nutzen wolle, habe bessere Chancen, wenn er Barrierefreiheit zur Priorität mache, so Sanz. Das Ziel sei, Barrierefreiheit zu einem festen Teil der Identität Spaniens zu machen.
Kein Nischenmarkt
Die Gründe sind wirtschaftlich und gesellschaftlich. Laut dem Bericht kommen 18 Prozent der internationalen Spanien-Besucher mit Bedarf an Barrierefreiheit aus Großbritannien. Die Kaufkraft von Menschen mit Behinderung und ihren Haushalten wird dort auf 446 Milliarden Pfund im Jahr geschätzt, in Großbritannien „Purple Pound“ genannt. Zugleich verzichteten 42 Prozent der Menschen mit Bedarf an Barrierefreiheit 2024/25 auf Reisen ins Ausland.
Sanz betonte, dass barrierefreier Tourismus kein Randthema sei: Menschen mit Behinderung reisen oft mit Familie oder Begleitung, und die meisten Menschen seien irgendwann im Leben selbst betroffen. Es gehe am Ende darum, ob die eigene Großmutter noch in den Urlaub fahren könne oder nicht.
Auf der Messe stellte Turespaña die Kampagne Vertretern der britischen Reiseanbieter Jet2holidays und On the Beach vor. Die Resonanz sei sehr positiv gewesen, sagte Sanz. Spanien wolle mit der gesamten Branche zusammenarbeiten, nicht nur mit spezialisierten Anbietern für barrierefreies Reisen.
Wert statt Masse
Langfristig will Spanien mehr Wertschöpfung aus dem Tourismus ziehen, die auch bei den Menschen vor Ort ankommt, statt nur auf steigende Besucherzahlen zu setzen. Gemeint seien nicht in erster Linie Luxusreisende, sagte Sanz, sondern Gäste mit hohem sozialem und wirtschaftlichem Nutzen. Wer in weniger bekannten Orten Geld ausgibt, bringe der Region viel – unabhängig vom Urlaubsbudget.
Spanien ist mit rund 19 Millionen britischen Gästen im Jahr das beliebteste Auslandsziel der Briten. 65 Prozent der britischen Besucher im vergangenen Jahr waren schon einmal dort, etwa zwei Drittel davon mehr als zehnmal. Ausruhen will sich Sanz darauf nicht: Der britische Markt sei sehr reif und hart umkämpft, man werde um jeden britischen Gast kämpfen.
Was das für Fuerteventura heißt
Großbritannien ist auch für die Kanaren einer der wichtigsten Märkte: Rund 36 Prozent der Urlauber auf den Inseln kommen nach Angaben von Tourismusministerin Jéssica de León von dort. Mit dem Hotel Taimar in Costa Calma, 2025 mit dem kanarischen Tourismuspreis für Barrierefreiheit und Inklusion ausgezeichnet, hat Fuerteventura bereits ein Beispiel, an dem sich der neue Leitfaden messen lässt. Welche Projekte es auf der Insel sonst gibt und wo noch Lücken sind, hat Radio Sol FM vor der Messe zusammengestellt. Gerade genaue, überprüfbare Angaben – wie sie der Leitfaden fordert – entscheiden darüber, ob Gäste mit Behinderung sich für die Insel entscheiden.
Der nächste Termin zum Thema folgt kurz nach der Messe: Vom 13. bis 15. November 2026 trägt der Club Pádel Tenis Center in Costa Calma die Copa Gold Passion aus, das Rollstuhl-Pádel-Turnier, das 2025 noch Golden Cup Santander Agentes hieß.
Quelle: TTG, 4. November 2026. Bild: WTM London.