Landwirtschaft in Pájara und Costa Calma – Mein Eindruck auf der FEAGA 2026
Written by RedaktionSolFM on 21/04/2026
Ich habe auf der FEAGA 2026 den Stand der Gemeinde Pájara besucht und später mit José Díaz, dem Gemeinderat für den Primärsektor, sowie mit Alexis Alonso, zuständig für Urbanismus, Maschinenpark und Gärtnerei, über Landwirtschaft, Tourismus – und natürlich Costa Calma gesprochen.
Mein Eindruck vom Pájara‑Stand auf der FEAGA
Wie jedes Jahr war die Gemeinde Pájara mit einem eigenen Stand auf der FEAGA vertreten, diesmal mit einem klaren Schwerpunkt auf der Landwirtschaft. José Díaz erklärte mir, dass man den Stand „dieses Jahr der Landwirtschaft, der Landwirtschaft von früher“ gewidmet habe, als „kleinen Gruß an unsere Älteren“, und ihn komplett mit traditionellen Arbeitsgeräten dekoriert habe, wie sie früher im Gemeindegebiet zum Bestellen der Felder genutzt wurden.
Besonders ins Auge gefallen ist mir ein Chicago‑Windrad im Miniaturformat, das, wie Díaz betonte, „damals eine echte Revolution für das campo majorero“ war, weil man dank der Passatwinde „praktisch den ganzen Tag Wasser aus dem Brunnen holen“ konnte. Ergänzt wird die Szenerie durch eine kleine Getreide‑Ausstellung: „Wir haben dieses Jahr, in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Alexis aus dem Bereich Gemeindemaschinen, viertausend Kilo Weizen im ganzen Gemeindegebiet ausgesät“, erzählte mir Díaz – eine kleine Probe davon ist im Stand zu sehen.
Sehr deutlich wurde auch der Dank an das Cabildo: Laut Díaz steht den Landwirtinnen und Landwirten dank Präsidentin Lola García und Inselrat Blas das ganze Jahr über ein landwirtschaftlicher Traktor zur Verfügung, „damit Profis wie Nicht‑Profis ihre Felder und Gavias herrichten können“.
Produkte mit „Gourmet“-Anspruch
Kulinarisch hatte der Stand einiges zu bieten – und genau darum ging es José Díaz auch: „Wir haben eine Verkostung von Gourmet‑Produkten, denn am Ende sind die Produkte, die wir in der Gemeinde haben, Produkte, die man als Gourmet bezeichnen kann“, sagte er mir im Interview. Besonders schwärmte er von den Tomaten: Im Gemeindegebiet gebe es mehrere Produzenten, unter anderem Frutas y Verduras Castro, Roger Grupo Torres Díaz oder Manolo in La Lajita, die Tomaten von außergewöhnlicher Qualität anböten.
Die kleinen Cherrytomaten beschreibt Díaz mit einem Bild, das bei mir hängen geblieben ist: „Das sind Tomaten, die haben einen süßen Geschmack, du hast das Gefühl, du isst einen Praliné statt einer Tomate.“ Dazu kommen Käse aus den örtlichen Viehbetrieben sowie Bildmaterial, das Fischerei‑, Landwirtschafts‑ und Viehsektor der Gemeinde zeigt – ein Schaufenster dessen, „was wir sind“, wie er es nennt.
Sein Ziel formulierte er mir gegenüber klar: „Wir wollen verkaufen, was wir sind, und es der Bürgerschaft näherbringen“, denn der Primärsektor sei im Alltag immer weniger sichtbar, und FEAGA sei „eine wichtige Gelegenheit, aus erster Hand kennenzulernen, was der Primärsektor ist – nicht nur in unserer Gemeinde, sondern auf der ganzen Insel Fuerteventura“.
Mehr Einsatz der Gemeinde für FEAGA und Verbindung zum Tourismus
Mit Alexis Alonso habe ich über die Rolle der Gemeinde Pájara bei der FEAGA gesprochen. Er erinnerte daran, dass Pájara schon seit Jahren mit dem Cabildo zusammenarbeitet, diesmal aber „ein bisschen mehr Aufwand“ betrieben habe, weil die Gemeinde Antigua ihre übliche Messe‑Carpa nicht gestellt hat. „Die Präsidentin Lola García und der consejero Enrique haben uns gebeten, dass wir das Zelt übernehmen, das Antigua nicht stellt“, erklärte er mir; dafür habe das Gemeindepersonal „mehr als einen Monat hier oben auf der Granja“ gearbeitet.
Draußen vor der Halle ist auch der Maschinen‑Sektor präsent: „Hier gibt es Maschinen für die Nachbarn, die ein kleines Grundstück haben – von ganz kleinen und günstigeren bis hin zu größeren Geräten“, so Alonso über die Ausstellung, die sich an Landwirte mit eigener „finquita“ richtet.
Spannend war für mich sein Blick auf die touristische Dimension: Er erinnerte daran, dass „mehr als siebzig Prozent der Hotelbetten“ Fuerteventuras im Gemeindegebiet Pájara liegen. „Uns fehlt es noch ein bisschen an Promotion, damit der Tourist, der kommt, auch diese Messe besucht“, sagte er mir, und betonte, dass der Großteil der Gäste im Süden traditionell aus Deutschland kommt: „Es ist wichtig, ihnen zu kommunizieren, dass wir eine wichtige Messe haben, damit sie diese Produkte probieren.“
Ich habe ihm gesagt, dass mir dieses Jahr besonders viele ausländische Besucher aufgefallen sind – vor allem Deutsche und Italiener –, die extra zur FEAGA gefahren sind. Alonso bestätigte das zwar, meinte aber, es könnten „viel, viel mehr“ sein und dass es an manchen Tagen bereits „voll bis zum Anschlag“ war. Sein konkreter Vorschlag: zusätzliche Busverbindungen aus Gran Tarajal und Puerto del Rosario, um noch mehr Menschen zur Messe zu bringen.
Ideen für Costa Calma: Primärsektor näher an die Touristenzone
Da ich selbst in Costa Calma lebe, war mir wichtig, das Gespräch auch in diese Richtung zu lenken. Ich habe die Frage aufgeworfen, ob man die Produkte des Primärsektors nicht stärker direkt in die touristischen Zonen – zum Beispiel nach Costa Calma – bringen könnte, etwa in Form einer kleineren Messe oder eines Aktionstages.
José Díaz zeigte sich dem gegenüber sehr offen: „Wir können uns das anschauen und versuchen, in der Carpa in Costa Calma einen Tag mit einer Messe zu machen, bei der es Produkte aus dem gesamten Primärsektor gibt“, sagte er. Er sprach sogar davon, „gute Notiz“ zu nehmen und daran zu arbeiten, weil viele Touristinnen und Touristen gar nicht die Möglichkeit hätten, zur FEAGA zu fahren – also müsse man Pájara zu ihnen bringen.
Als positives Beispiel nannte er die Feria del Bonito in Morro Jable, die in diesem Jahr erstmals zweisprachig begleitet wurde: „Dieses Jahr hatten wir zum ersten Mal einen Sprecher auf Englisch, neben dem spanischen – und es gab viel Tourismus, der sich dieser Messe und diesem Ronqueo genähert hat“, erzählte er mir. So hätten die Gäste die Zerlegung des Thunfischs „zumindest auf Englisch“ mitverfolgen und verstehen können, „was der Maestro in jedem Moment macht“.
Costa Calma: Was sich tut – und was noch kommen soll
Im zweiten Teil des Gesprächs ging es um ein Thema, das mich persönlich besonders betrifft: Costa Calma. Ich habe offen angesprochen, dass sich viele Nachbarn beschweren – was irgendwo normal ist –, dass aber inzwischen sichtbar „viel gemacht wird“ und man das auch den Menschen kommunizieren müsse.
Alexis Alonso gab zu, dass es „viel zu tun“ gibt und dass vieles „seit Jahren liegen geblieben“ sei – unter wechselnden Regierungen und mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten mit dem Promotor, etwa beim Thema Grünflächen. Inzwischen, so erklärte er, habe man die Flächen registriert und könne handeln: „Wir haben in der Ausschreibung bereits die Reinigung des Palmenhains, eine Investition von 1,3 Millionen Euro, die hoffentlich im Mai ausgeschrieben wird.“
Dazu kommt laut Alonso ein Projekt für einen neuen Sportkomplex in Costa Calma, „eine Investition von fast sieben Millionen Euro“, mit verschiedenen Räumen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ein großer Teil des neuen Asphaltplans der Gemeinde soll ebenfalls in Costa Calma umgesetzt werden, und man arbeite an der Stromversorgung, nachdem es in der Vergangenheit zu Ausfällen und Sabotagen an den Leitungen gekommen sei.
Er erklärte mir, dass man sich La Pared als Vorbild nehme: „Wir wollen in Costa Calma das Gleiche machen – alle Straßen aufreißen, alle Leitungen erneuern“, damit die öffentlichen Räume mit den investierenden Hotels Schritt halten und nicht „ein Bild abgeben, das weder für die Nachbarn noch für die, die uns besuchen, akzeptabel ist“. Gleichzeitig sprach er auch die politische Dimension an: Es gebe viel „Lärm“ von Gruppen, die bereits neue Parteien für die nächsten Wahlen gründeten, aber die Leute wollten „Fakten sehen, keine Worte“.
Licht, Sicherheit und Wasserpreis – Alltagsthemen vor meiner Haustür
Zum Thema Beleuchtung in Costa Calma ergänzte José Díaz eine wichtige Rückschau. Er erinnerte daran, dass Teile des Ortes im Jahr 2021 „mindestens 18 bis 20 Tage ohne öffentliche Beleuchtung“ waren, etwa in der Urbanisation Cañada del Río, und dass der durchgehende Radweg jahrelang im Dunkeln lag. „Der Wald hatte keine einzige Lampe, die funktionierte“, sagte er – man habe das ganze System neu aufbauen müssen, inklusive der Entfernung illegaler Anschlüsse, die immer wieder die Leitungen lahmgelegt hätten.
Heute, so Díaz, sei die Beleuchtung in Cañada del Río und im Waldbereich wiederhergestellt, auch wenn man weiter gegen Vandalismus ankämpfen müsse und vor allem „in den Zonen mit viel Publikumsverkehr“ nachrüste. Seine Aussage, dass man damals „nicht einmal eine Weihnachtsbeleuchtung aufhängen“ konnte, zeigt sehr deutlich, von welchem Ausgangsniveau gesprochen wird.
Zum Schluss habe ich noch ein Thema angesprochen, das viele von uns in Costa Calma direkt im Geldbeutel trifft: den Wasserpreis. Alonso berichtete, dass man mit der neuen Leitung von FUERTCAN und den Promotoren im Gespräch sei, um die Situation zu „entsperren“. Sein Ziel formulierte er mir gegenüber sehr klar: „Das Wasser in Costa Calma muss öffentlich sein, und der Wasserpreis in Costa Calma muss so sein wie in Morro Jable.“ Die vom Ayuntamiento genehmigten Tarife müssten angewendet werden, „das wird der Kampf sein“, sagte er.
Zum Abschied meinte er, es liege „viel Arbeit vor uns“, aber ohne tägliche Arbeit gehe es nicht: „Was wir nicht machen können, ist, vier Jahre stillzustehen und dann die letzten sechs Monate zu arbeiten“, sagte er – ein Satz, den ich mir für die nächsten Gespräche im municipio merken werde.