Fuerteventura auf der ITB: Treue, Wandel und eine neue Allianz
Written by Ingo Töpfer on 03/03/2026
Fuerteventura reist in diesem Jahr nicht nur zur ITB Berlin – die Insel wird zum Sinnbild einer langen Liebesgeschichte zwischen Deutschland und den Kanarischen Inseln. Im dichten Messetrubel von Halle 10.2 steht Fuerteventura für genau das, was viele deutsche Stammgäste seit Jahrzehnten schätzen: Weite Landschaften, Verlässlichkeit – und das Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzukehren.
Fuerteventura auf der ITB: Eine Beziehung, die mehr ist als Geschäft
Wenn die Regionalrätin für Tourismus und Arbeit der Kanarischen Regierung, Jessica de León, in Berlin über den deutschen Markt spricht, klingt das eher nach Familiengeschichte als nach klassischer Wirtschaftsrhetorik. Für sie ist der deutsche Markt kein abstrakter Begriff, sondern ein Gegenüber mit Charakter.
„Hablar del mercado alemán en Canarias es hablar de una historia compartida, de décadas construyendo destinos juntos, de un visitante exigente, informado, consciente, que valora la calidad, la sostenibilidad y sobre todo, la autenticidad.“
Deutsch: Über den deutschen Markt auf den Kanaren zu sprechen, heißt über eine gemeinsame Geschichte zu sprechen – über Jahrzehnte, in denen man Reiseziele gemeinsam aufgebaut hat, mit einem anspruchsvollen, informierten, bewussten Gast, der Qualität, Nachhaltigkeit und vor allem Authentizität schätzt.
Fuerteventura ist einer der Orte, an denen diese gemeinsame Geschichte besonders greifbar wird. Die Insel ist für viele Deutsche nicht nur ein Urlaubsziel, sondern ein Konstante im Lebenslauf – ein Fleck Erde, an den man immer wieder zurückkehrt.
Ein deutscher Gast, 150 Besuche – und eine Botschaft
In ihrer Rede holt Jessica de León ein Beispiel heraus, das genau diese emotionale Bindung illustriert – und das direkt aus Fuerteventura stammt.
„Hace apenas unos meses, en Fuerteventura precisamente tenía el honor de entregar un premio […] a un turista alemán […] que decía que desde 1977 ha visitado la isla más de 150 veces.“
Vor wenigen Monaten, erzählt sie, sei sie auf Fuerteventura gewesen, um im Rahmen der touristischen Auszeichnungen des Patronato de Turismo einen besonderen Preis zu überreichen: an einen deutschen Gast, der seit 1977 mehr als 150 Mal auf die Insel gereist ist. Fast 48 Jahre lang kehrt dieser Besucher an denselben Ort zurück.
„Y esto no es una casualidad. El vínculo entre Alemania y Canarias no es una relación comercial, es una relación de fidelidad.“
Das sei kein Zufall, betont De León. Die Verbindung zwischen Deutschland und den Kanarischen Inseln sei keine bloße Geschäftsbeziehung, sondern eine Beziehung der Treue. Fuerteventura ist in dieser Erzählung nicht nur Kulisse, sondern Bühne – ein Ort, an dem sich diese Treue ganz konkret abspielt.
Tourismus als Lebensader – und Fuerteventura mittendrin
Die Regionalrätin macht in Berlin aber auch deutlich, wie ernst diese Beziehung für das gesamte Archipel ist. Der Tourismus, sagt sie, sei längst zur wichtigsten Industrie der Kanaren geworden, mit enormer wirtschaftlicher Schlagkraft:
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Rund 35% des Bruttoinlandsprodukts der Inseln hängen am Tourismus.
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Etwa 40% der Arbeitsplätze werden direkt oder indirekt von der Branche getragen.
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900.000 Menschen sind beschäftigt, 142.000 davon als Selbständige – viele in kleinen und mittleren Unternehmen, die ohne Gäste aus Märkten wie Deutschland kaum überleben könnten.
Auch für Fuerteventura bedeuten diese Zahlen: Hotels, Apartments, Restaurants, Autovermietungen, Surfschulen, kleine Läden und lokale Produzenten – sie alle profitieren von der Verbindung, die deutsche Urlauber über Jahrzehnte zum Reiseziel aufgebaut haben.
Doch De León warnt zugleich vor Selbstzufriedenheit:
„Son cifras por las que felicitarse, pero que no nos permiten acomodarnos.“
Man dürfe sich über diese Zahlen freuen, aber sie dürften niemanden bequem werden lassen.
Zwischen Treue und Unsicherheit: eine fragile Weltlage
In Berlin spricht die Regionalrätin nicht nur über Sonnenschein, sondern auch über Schatten. Sie ordnet die ITB ganz bewusst in einen Moment globaler Unsicherheit ein – von geopolitischen Spannungen bis hin zu ihren Auswirkungen auf Europa.
„Vivimos una etapa en la que residentes y turistas exigen coherencia, competitividad, responsabilidad y decisiones valientes, pero también […] una etapa de tremenda incertidumbre.“
Wir leben in einer Phase, sagt sie, in der Einheimische und Gäste mehr Kohärenz, Wettbewerbsfähigkeit, Verantwortung und mutige Entscheidungen erwarten – gleichzeitig aber in einer Zeit großer Unsicherheit. Die Messe in Berlin soll daher nicht nur Showroom sein, sondern auch Denkraum: ein Ort, um gemeinsam mit den wichtigsten Reiseveranstaltern zu reflektieren, wie sich die Kanaren weiterhin als „sicherer Zufluchtsort“ inmitten einer unruhigen Welt positionieren können.
„Esta feria servirá para reflexionar […] si Canarias se sigue manteniendo como ese destino refugio y cómo afectará a la industria turística canaria en su conjunto.“
Für Fuerteventura bedeutet das: Die Insel tritt auf der ITB nicht nur als Postkartenmotiv auf, sondern als Teil einer strategischen Debatte – Wie bleibt man sicher, berechenbar, verlässlich, wenn sich rundherum so vieles ändert?
Qualität statt Masse: Ein neuer Kurs auf der ITB
Ein zentraler Punkt in der Rede von Jessica de León ist der Kurswechsel beim Thema Wachstum. Sie macht deutlich, dass die Kanaren – und damit auch Fuerteventura – nicht auf immer mehr Gäste setzen, sondern auf ein anderes Verständnis von Erfolg.
„Renovar nuestro marco normativo, poniendo al residente en el centro de la política turística, ordenando el crecimiento, apostando por la calidad frente a la cantidad y avanzando hacia un modelo regenerativo y mucho más comprometido.“
Das bedeutet:
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Der Alltag der Einheimischen rückt in den Mittelpunkt der Tourismuspolitik.
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Wachstum soll geordnet und begrenzt werden.
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Qualität soll vor Quantität stehen.
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Langfristig strebt man ein regeneratives Modell an – eines, das nicht nur möglichst wenig schadet, sondern aktiv zur Verbesserung der natürlichen und sozialen Umgebung beiträgt.
Gerade für Fuerteventura, mit seinen sensiblen Dünenlandschaften, Schutzgebieten und begrenzten Ressourcen, ist diese Botschaft deutlich: Die Insel soll ein Ort bleiben, an dem der Tourismus mit der Natur lebt – und nicht gegen sie.
Klima, Natur und ein besonders sensibler Markt
Ein weiterer roter Faden der Rede: die besondere Sensibilität deutscher Gäste für Klima- und Umweltthemen. De León beschreibt den Markt Deutschland als einen der wachsamsten, wenn es um Nachhaltigkeit und Biodiversität geht.
„Alemania es uno de los mercados más sensibilizados por la acción climática, por la biodiversidad y los ecosistemas. No solo preguntan cuánto cuesta, sino qué hace ese destino con su territorio.“
Deutsch: Deutschland gehört zu den Märkten, die am stärksten für Klimaschutz, Biodiversität und Ökosysteme sensibilisiert sind. Die Gäste fragen nicht nur, was der Urlaub kostet, sondern auch, was das Reiseziel mit seinem Land, seinem Territorium macht.
Genau hier setzen die Kanaren – und damit auch Fuerteventura – an. Die Regionalrätin spricht von „Motores de recuperación ambiental“, von Motoren der ökologischen Wiederherstellung, die derzeit aufgebaut werden. Ziel: Aufenthalte auf den Inseln sollen nicht nur keinen Schaden anrichten, sondern aktiv dazu beitragen, Natur und Lebensqualität zu verbessern.
„Canarias quiere poder responder no con palabras, sino con hechos.“
Die Kanaren wollen nicht nur mit Worten antworten, sagt sie, sondern mit Taten. Wer die Inseln besucht, soll wissen, dass sein Aufenthalt hilft:
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sensible Naturräume zu schützen,
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hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen,
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lokale Produkte zu stärken,
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und die Identität der Inseln zu festigen.
Fuerteventura, mit seinen Biosphärengebieten, Naturmonumenten und traditionellen Dörfern, ist prädestiniert, diesen Ansatz sichtbar zu machen.
Eine Allianz mit Zukunft – und Fuerteventura als emotionale Bühne
Zum Schluss ihrer Ansprache richtet Jessica de León den Blick nach vorne – und direkt an den deutschen Markt.
„Queridos amigos del mercado alemán. Queremos seguir siendo su destino de invierno preferido, pero también su destino consciente.“
Liebe Freunde des deutschen Marktes, sagt sie, man wolle weiterhin das bevorzugte Winterziel bleiben – aber zugleich ein bewusstes Reiseziel sein. Ja, das Klima, die Sonne, das Meer bleiben starke Argumente. Aber dahinter sollen mehr und mehr Werte sichtbar werden: Verantwortung, Authentizität, Verbundenheit mit dem Gast.
„Queremos seguir manteniendo esa relación emocional entre Alemania y Canarias a muy largo plazo. Hoy renovamos esa alianza en esta feria.“
Diese emotionale Beziehung zwischen Deutschland und den Kanaren soll langfristig erhalten und gestärkt werden. In Berlin, auf der ITB, erneuert die Regierung diese Allianz – gemeinsam mit Unternehmen, Reiseveranstaltern, Bürgermeisterinnen, Gemeinderäten und den Inselräten, die wie Fuerteventura für ganz konkrete Gesichter, Geschichten und Orte stehen.
Für Fuerteventura ist diese Botschaft klare Einladung und Verpflichtung zugleich: Die Insel soll auch in Zukunft der Ort bleiben, an den man – wie der erwähnte Stammgast – ein Leben lang immer wieder gerne zurückkehrt. Nur dass das „Warum“ sich erweitert hat: vom Klima hin zu Werten, vom reinen Urlaub hin zu einer bewussten, fast partnerschaftlichen Beziehung zwischen Gast, Insel und Gesellschaft.
weitere Links: fuerteventura.news, itb-2026-berlin-die-kanaren-praesenz-im-europa-cluster