WTM 2026: Kanaren eröffnen ihren Stand – Jéssica de León im Interview mit Radio Sol FM
Written by RedaktionSolFM on 03/11/2026
WTM 2026: Kanaren eröffnen ihren Stand – Jéssica de León im Interview mit Radio Sol FM
Am ersten Tag des World Travel Market in London haben die Kanarischen Inseln ihren Gemeinschaftsstand im ExCeL London eröffnet. Tourismusministerin Jéssica de León eröffnete den Stand gemeinsam mit Präsidenten mehrerer Cabildos (Inselregierungen) sowie Tourismusverantwortlichen der Inseln und Gemeinden. Radio Sol FM war dabei und hat direkt danach mit der Ministerin gesprochen.
Schweigeminute zum Auftakt
Vor der Eröffnung hielten die Anwesenden eine Schweigeminute: für die Opfer des Zugunglücks von Urda in der Provinz Toledo vom 28. Oktober, für einen verstorbenen Spieler des CD Tenerife und für die vielen Menschen, die in den vergangenen Stunden auf der Migrationsroute über den Atlantik ums Leben gekommen sind. Nach Angaben der Kanarischen Regierung sind die Inseln mit rund 350 Fachleuten aus 200 Unternehmen und Institutionen in London. Für Fuerteventura ist das Patronato de Turismo am Stand vertreten.
Eröffnungsrede: Flugverbindungen schützen
In ihrer Eröffnungsrede nannte Jéssica de León Großbritannien einen besonderen Markt: Rund 36 Prozent der Urlauber auf den Kanaren kämen aus dem Vereinigten Königreich, acht von zehn seien schon einmal da gewesen. Die Zahlen deuteten nach Jahren des Wachstums auf eine Abflachung hin. Das sei kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, sich vorzubereiten. Deshalb seien alle acht Inseln in London, um gemeinsam die Flugverbindungen zu verteidigen, auch gegen die Kosten der europäischen Klimapolitik für die Luftfahrt. Europa müsse verstehen, wo die Kanaren liegen und wie abhängig sie vom Flugverkehr sind.
Im Mittelpunkt der Tourismuspolitik stünden die Einheimischen und die Landschaft der Inseln. Die Ministerin verwies auf die Regeln zur Ferienvermietung, die Verordnung über touristische Aktivitäten und die gerade beschlossene erste Verordnung für Campingplätze. Seit 2019 seien die Ausgaben der Urlauber auf den Inseln um 60 Prozent gestiegen, inflationsbereinigt um mehr als 40 Prozent.
Mehr Ausgaben, weniger Flugsitze
Im Interview mit Radio Sol FM sagte Jéssica de León, die Kanaren kämen mit Vorsicht und Optimismus nach London. Von Januar bis August seien rund 1 Prozent mehr Gäste gekommen als im Vorjahr, und die Urlauber hätten vor Ort inflationsbereinigt rund 7 Prozent mehr ausgegeben. Sorge bereite ihr dagegen, dass für den Winter erstmals seit vier Jahren weniger Flugsitze aus dem Vereinigten Königreich geplant seien. Inflation, Emissionsrechte und Treibstoffpreise machten sich bei den Reiseveranstaltern bemerkbar, außerdem werde immer kurzfristiger gebucht. Deshalb wolle die Regierung auf der Messe bei der Werbung alles geben.
Dass sich etwa die Gemeinde La Oliva auf Fuerteventura weniger, aber ausgabefreudigere Gäste wünscht, sieht die Ministerin als Wunsch der ganzen Kanaren: weniger Kunden, die mehr für die Leistung bezahlen. Erreichen wolle man das mit einem Angebot jenseits von Sonne und Strand und mit privaten Investitionen in hochwertige Unterkünfte. Nach Angaben von La Caixa flossen im vergangenen Jahr 1.175 Millionen Euro in die Modernisierung veralteter Hotels und Apartmentanlagen auf den Kanaren.
Proteste und Ferienvermietung
Die Proteste gegen den Massentourismus sieht Jéssica de León nicht als Bewegung gegen den Tourismus, sondern gegen die Folgen für die Lebensqualität der Einheimischen. Die Belastungsgrenze der Inseln bemesse sich an Wohnraum, Wasser und Versorgung der Menschen, die dort leben, nicht an der Zahl der Gäste. Die Politik habe zu viel Geld in Feste und Konzerte statt in Wasserversorgung und Krankenhäuser gesteckt. Welches Modell eine Insel wolle, müsse jede Insel selbst festlegen.
Das kanarische Gesetz zur Ferienvermietung funktioniere und sei „lebendiger denn je“: Es gebe den Gemeinden die Entscheidung, wo, wie und wann Ferienwohnungen entstehen dürfen. Die EU gehe mit ihrem Gesetz für bezahlbaren Wohnraum in dieselbe Richtung. Als nächste Schritte nannte die Ministerin den Haushalt ihres Ministeriums, der am Freitag in den Parlamentsausschuss geht, und einen Fonds, über den sich Unternehmen an der Wiederherstellung geschädigter Naturräume beteiligen können.
Radio Sol FM live aus London
Radio Sol FM bleibt bis zum Ende der Messe am 5. November vor Ort. Die Interviews laufen in den kommenden Tagen im Programm von Radio Sol FM und erscheinen hier auf radio-solfm.com und auf fuerteventura.news.

